Pia: Ich ging davon aus, dass sich mit Blockchain «junge Wilde» oder Nerds beschäftigen. Du bist so ziemlich das Gegenteil meiner Vorstellung eines Blockchain-Spezialisten. Wie lange hast du dich schon mit der Thematik beschäftigst?

René: Etwas über zwei Jahre.

Pia: Was genau ist denn eigentlich Blockchain?

René: Mir gefällt die Definition bei Wikipedia sehr gut.
Die Blockkette wird durch eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen (= Blöcken) mit einem kryptografischen Verfahren miteinander verkettet. Jeder Block enthält einen sicheren Streuwert des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten.

Damit wird es unmöglich, Existenz oder Inhalt von früheren Transaktionen zu zerstören oder zu manipulieren. Sprich, die Datensicherheit und Zuverlässigkeit wird massiv erhöht. Die Idee dahinter ist eigentlich eine ganz alte, basierend auf dem Kerbstock, siehe Wikipedia. Blockchain ist eher die Rückkehr zu einem bewährten, ursprünglichen und nachvollziehbaren System, ergänzt mit neuster Technologie. 

Pia: Was fasziniert Dich an der Blockchain-Technologie?

René: Blockchain wird ganz unterschiedliche Märkte beeinflussen und stark wachsen. Ein deutliches Zeichen für den Stellenwert von Blockchain ist zum Beispiel die Investition von DXC. DXC entstand durch den Zusammenschluss von CSC und Hewlett Packard Enterprise und ist heute die weltweit führende, unabhängige End-to-end-IT-Service-Dienstleisterin. Für über zwei Milliarden Dollar akquirierte DXC den Blockchain-Spezialisten Luxsoft in Zug.
Damit will sich DXC den Einstieg in den neuen, stark wachsenden Blockchain-Markt mit seinen spannenden Industriesegmenten sichern.  

Durch Blockchain werden neue Marktregulationen für die Finanzindustrie ermöglicht. Es werden komplett neue Business Modelle geschaffen. Die Wirtschaftsprüfung wird zum Beispiel auf gänzlich neuen Prozessen mit neuen Regeln aufgebaut. Das R3 Konsortium hat mit mehreren Finanzinstituten die Plattform Corda veröffentlicht, die einen Unterbau für Blockchain-Anwendungen in den Kapitalmärkten darstellen soll. Die grössten Anwendungsgebiete für Kapitalmärkte bestehen im Bereich des Settlements von Aktien und anderen Finanzinstrumenten, der Ausgabe von Konsortialkrediten und der Unternehmensfinanzierung mit Eigenkapital. 

Pia: Verändert Blockchain das Datacenter?

René: Datacenter-Infrastrukturen in Blockchain-Umgebungen haben zwei Aspekte: Sicherheit und dezentrale Ablage von Daten.
Zum einen werden über die Kryptografie Daten sehr sicher übermittelt, zum anderen werden diese über dezentrale Infrastrukturen/Systeme auf neue, sichere Art gespeichert. Diese beiden Aspekte sorgen für das Vertrauen ins System, den sogenannten „Integrated Trust“. Blockchain ist eine Lösung für Parteien, die sich nicht vertrauen. Denn das Vertrauen beruht auf diesen Technologien.

Du kannst die Entwicklung auch mit der Lebensmittelbranche vergleichen. Diese verbessert die Prozesse auch ständig. Dank Blockchain wird es zukünftig möglich sein, die Haltbarkeit von Lebensmitteln viel genauer zu prüfen, zu verfolgen und zu kennzeichnen. Blockchain könnte Foodwaste reduzieren. Ausserdem gibt es Automatisierungspotenziale für die einzuhaltenden Dokumentationspflichten.

Pia: Ich habe hier den Report von CVVC in Zug mit den Top 50 Blockchain-Firmen der Schweiz vorliegen. Diese erwirtschaften über 2,2 Milliarden US-Dollar Umsatz. Ich bin beeindruckt, dass Unternehmen in der Schweiz in diesem Markt so aktiv mitspielen. Verrate mir bitte Blockchain-Firmen, welche die Green Datacenter AG Infrastruktur nutzen!

René: Wir haben einige Blockchain-Kunden aus der Greater Zurich Area gewonnen, die auch im Report genannt werden. Es sind bedeutende Blockchain-Unternehmen, die uns vertrauen. Vertrauen bedeutet aber auch, dass ich diese nicht nennen darf – auch dir nicht!

Pia: Warum bauen diese Firmen ihre Infrastrukturen nicht bei sich selber auf?

René: Sie konzentrieren sich auf ihr eigenes Kerngeschäft. Wir können sehr schnell auf ihre Bedürfnisse eingehen, bieten massgeschneiderte Lösungen. Unsere Erfahrung bezüglich Spezielle Anforderungen an Vertraulichkeit und Anpassungen der Prozessschritte gerade im Zutrittsbereich sind umfassend. Wir haben das Personal vor Ort, schulen dieses kontinuierlich und passen uns schnell den sich ändernden Marktbedingungen an.

Pia: Nenn mir bitte ein Beispiel.

René: Ein Kunde hat den Source-Code einer eigenen Applikation im Tresor eines Private Cage abgelegt. Der Safe darf nur geöffnet werden, wenn drei Personen anwesend sind. Es muss immer ein Verwaltungsrat, ein C-Level-Mitglied und ein Anwalt dabei sein. Dazu kommt dann noch unsere Sicherheitsperson sowie ein IT-Spezialist.
Eine Videoaufzeichnung aller Aktivitäten findet statt. Solche Prozesse können wir bei uns – als Spezialist – schnell realisieren. Wir haben ein erprobtes, an Kundenwünsche anpassbares, extrem striktes Sicherheitskonzept. Unsere Redundanz gewährleistet einen unterbruchsfreien Ablauf, 365x24. Ausserdem bieten wir globale Konnektivität. Wir können aus der Schweiz praktisch jeden Standort mit Hilfe unserer globalen Partner erschliessen und garantieren dabei Latenzzeiten für praktisch sämtliche globalen Marktplätze.

Pia: Vielen Dank für das Gespräch!